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11. September - 16. November 2022
Johannes Heisig - Betrachtungen
DIE GALERIE, Frankfurt am Main

Johannes Heisigs (*1953) Bildwelten sind vielfältig und facettenreich, verführerisch und rätselhaft – ein Spiegelbild von Realität und Traum zugleich. Die pastosen Pinselstriche seiner Gemälde fließen in unzähligen Schichten auf die Leinwand, wie ein unerschöpflicher Gedankenfluss, eine Übermalung nach der anderen.

 

Mit seinen Werken verarbeitet der Künstler seine Gedanken und bannt die poetische Schönheit einer idyllischen Landschaft in der Abendsonne ebenso wie Zweifel, Ängste und Träume eines jeden Menschen auf die Bildfläche. Beinahe alles, was den scharfsinnigen Blick des Künstlers auf sich zieht, kann zur Malerei werden. So findet sich in Johannes Heisigs neuester Werkschau Betrachtungen | Reflections, der nunmehr vierten Einzelausstellung des Malers in DIE GALERIE, ein breites Spektrum an unterschiedlichen Sujets: Prachtvolle Blumensträuße, ob noch in voller Blüte oder bereits verwelkt, sowie alltägliche Gegenstände und exotische Figurinen bevölkern seine Stillleben, gelegentlich begleitet von einem Tierschädel als Sinnbild des Memento Mori; urbane wie ländliche Ansichten finden ihren Platz im OEuvre des Künstlers und beeindrucken durch ihre Dynamik und ungewöhnlichen Perspektiven. Ein wesentlicher Schwerpunkt in Johannes Heisigs Kunst liegt auf dem Wesen der menschlichen Existenz, erzählt in sozio-politischen Szenen, Porträts oder Selbstbetrachtungen, auf Leinwand oder auf Papier. Mit seinen Werken schafft der Künstler echte Bilder vom Erzählen - um den neuen, dem deutschen Schriftsteller Wolfgang Hilbig gewidmeten Zyklus von Zeichnungen zu zitieren - und versetzt den Betrachter in eine andere, vielschichtige Realität.

 

 

Besuchen Sie hier die 3D-Ausstellung

Johannes Heisig - Betrachtungen

 

 

 

Sehen Sie sich hier das Interview mit dem Künstler an

 

Highlight des Monats


Johannes Heisig
Vertreibung ins Paradies
Öl auf Leinwand
140 x 300

In Johannes Heisigs Gemälden, Zeichnungen und Graphiken verbinden sich inhaltliche Komplexität und meisterhafte Technik mit offener Freude am Experiment. Seine mit präzisem Blick gesammelten Beobachtungen vermittelt Heisig anhand einer expressiv-impressionistischen Bildsprache: Er schichtet Farben zu apokalyptischen Darstellungen chaotischen Großstadtlebens, zu eindrucksvollen Reflexionen zur deutsch-deutschen Geschichte ebenso wie zu Porträts, Landschaften und Stillleben. Auf diese Weise führt er das realistische Abbild aus dem Vertrauten heraus, verfremdet und transformiert es schließlich – häufig nach monatelangem Übermalen – in etwas für den Betrachter Unbekanntes und Einmaliges.

 

So auch in dem 2019 entstandenen großformatigen Gemälde Vertreibung ins Paradies, mit dessen Titel der Künstler wortspielerisch den Sündenfall heranzieht und auf eine zeitgenössische Szenerie überträgt. Sozialkritisch fragt er: Ist dies noch das Paradies, für das Christus am Kreuz gestorben ist? Die gigantische Strandszene erinnert aufgrund der ungewöhnlichen Perspektive an heutzutage sehr beliebte Drohnenaufnahmen und wirkt deshalb besonders aktuell so, als würde man mit dem Pinsel die modernsten Techniken nachahmen. Zugleich weist sie mit ihrem ironischen Titel auf einen der Urmythen der menschlichen Geschichte hin und erweist sich somit als ein äußerst tiefgründiges Werk.