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24. November 2022 - 25. Februar 2023
MARINO MARINI
DIE GALERIE, Frankfurt am Main

DIE GALERIE freut sich ganz besonders, das Ausstellungsjahr 2022 mit einer fulminanten, historischen Werkschau abzurunden. Den italienischen Künstler Marino Marini (1901-1980) präsentieren wir in einer umfangreichen Ausstellung, die das Hauptaugenmerk auf das skulpturale Werk mit Arbeiten aus den Jahren 1937 bis 1954 lenkt, sowie mit Graphiken, die auch weitere Schaffensbereiche darstellen. Damit sollen die Bedeutung dieses Künstlers sowie seine heute wieder besondere Aktualität gewürdigt werden. Das Œuvre des italienischen Bildhauers begleitet die entscheidendsten Jahre der Geschichte Europas im 20. Jahrhundert mit einer Bildsprache, die trotz ihrer Treue zum klassischen Kanon ganz eigene Ausdrucksformen für den Wandel findet. Am deutlichsten wird dies in der künstlerischen Entwicklung des für Marini zentralen Thema des Reiterbildnisses. Dieser Bildtypus war ihm stets präsent, ebenso wie seine Ambivalenz zwischen repräsentativem Machtemblem und Ausdruck einer naturverbundenen Harmonie von Mensch und Tier. Unter dem Einfluss des Faschismus, der Demokratisierung bei gleichzeitigem Ost-West-Konflikt hat sich Marinis Formgebung erkennbar gewandelt, von einem Idealbild hin zur Darstellung einer verzerrten, aus ihren Angeln gehobenen Welt. Und so ist Marinis künstlerische Position heute, in einer Zeit der globalen Umbrüche, aktueller denn je.

 

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Highlight des Monats


Johannes Heisig
Vertreibung ins Paradies
Öl auf Leinwand
140 x 300

In Johannes Heisigs Gemälden, Zeichnungen und Graphiken verbinden sich inhaltliche Komplexität und meisterhafte Technik mit offener Freude am Experiment. Seine mit präzisem Blick gesammelten Beobachtungen vermittelt Heisig anhand einer expressiv-impressionistischen Bildsprache: Er schichtet Farben zu apokalyptischen Darstellungen chaotischen Großstadtlebens, zu eindrucksvollen Reflexionen zur deutsch-deutschen Geschichte ebenso wie zu Porträts, Landschaften und Stillleben. Auf diese Weise führt er das realistische Abbild aus dem Vertrauten heraus, verfremdet und transformiert es schließlich – häufig nach monatelangem Übermalen – in etwas für den Betrachter Unbekanntes und Einmaliges.

 

So auch in dem 2019 entstandenen großformatigen Gemälde Vertreibung ins Paradies, mit dessen Titel der Künstler wortspielerisch den Sündenfall heranzieht und auf eine zeitgenössische Szenerie überträgt. Sozialkritisch fragt er: Ist dies noch das Paradies, für das Christus am Kreuz gestorben ist? Die gigantische Strandszene erinnert aufgrund der ungewöhnlichen Perspektive an heutzutage sehr beliebte Drohnenaufnahmen und wirkt deshalb besonders aktuell so, als würde man mit dem Pinsel die modernsten Techniken nachahmen. Zugleich weist sie mit ihrem ironischen Titel auf einen der Urmythen der menschlichen Geschichte hin und erweist sich somit als ein äußerst tiefgründiges Werk.