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05. November 2020 - 13 Januar 2021
KIM DU RYE | Farbfeld Malerei und HERBERT MEHLER I Kabinettausstellung
DIE GALERIE, Frankfurt am Main

Das Werk der koreanischen Malerin KIM DU RYE ist klassisch im besten Sinne, geprägt von einem souveränen Umgang mit der abstrakten Komposition. Sie bedient sich der Farbfeldmalerei, die an die amerikanischen Abstrakten Expressionisten erinnert, in vielfältigen Variationen, die von strengen geometrischen Gefügen bis hin zu einer malerischen Auflösung reichen. Ihre bisweilen großformatigen Leinwände sind vollkommen frei von räumlichen oder assoziativen Intentionen, weshalb sie auch keine Titel tragen, die das Auge des Betrachters einengen würden. Das eigentliche Reich KIM Du Ryes aber  liegt ganz offensichtlich in der Farbe: Sie verleiht den Gemälden Wärme, Tiefe und Emotionen, Spannung oder Gelassenheit, flirrende Lebendigkeit oder kontemplative Ruhe. Stets stark im Ausdruck, an den Primärfarben orientiert und großzügig auf die gesamte Bildfläche ausgebreitet, sind die Farben in den Bildern vom KIM Du Rye und werden für den Betrachter so zu einem visuellen Erlebnis. Mit dieser ersten Einzelausstellung KIM Du Reys in Europa präsentiert DIE GALERIE in Frankfurt am Main eine zeitgenössische künstlerische Position Koreas, die West und Ost mehr verbindet als unterscheidet und die doch eine ganz eigene Prägung hat.

 

Ab 28. November können Sie eine weitere Ausstellung in unseren Galerieräumen sehen - HERBERT MEHLER · Kabinettausstellung. Zum ersten Mal präsentieren wir Ihnen die eleganten Eisen- und Stahlskulpturen des renommierten deutschen Bildhauers Herbert Mehler. Sowohl Kim als auch Mehler sind der Abstraktion verbunden, während Kim Du Rye aber der Farbe den Vorzug gibt, ist es bei Herbert Mehler eindeutig die Form. Seine schlank aufragenden Säulen und vegetabile Strukturen setzt er in einzigartiger Weise aus Metall-Lamellen zusammen. Wir freuen uns auf diesen sympathischen „Neuzugang“ in unserem Portfolio. 

 

 

 

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Highlight des Monats


Karl-Otto Götz
Stördö 8.11.1957
Mischtechnik auf Leinwand
145 x 175 cm
Signiert unten links 'K. O. GÖTZ'

Das Gemälde Stördö 8.11.1957 entstand 1957: Knapp zehn Jahre zuvor hat Karl Otto Götz als einziges deutsches Mitglied die Künstlergruppe CoBrA mitgestaltet und in der Auseinandersetzung mit den Ideen der Gruppe für seine eigene künstlerische Entwicklung maßgebliche Impulse erfahren. An der ersten und der letzten CoBrA-Ausstellung war er mit einer Reihe von Werken beteiligt und hat auch anderen jungen deutschen Künstlern den Anschluss an die internationale Avantgarde vermittelt. 1957 wohnte Karl Otto Götz in Frankfurt, er hatte sich hier ein weitreichendes Netz an Kontakten zu Künstlern in ganz Europa geschaffen, die Zeitschrift Meta in zehn Nummern herausgegeben, wesentlich an der Rolle Frankfurts als Zentrum für Avantgarde-Kunst beigetragen und für sich ab 1952 eine eigene Technik entwickelt, die es ihm ermöglichte, durch eine Auflösung der Form den Moment und die Bewegung an sich bildkünstlerisch darzustellen. Die entscheidenden Schritte zur Formulierung seiner eigenen Bildsprache fand er eher zufällig, als er für seinen Sohn Kleisterfarbe anrührte. Götz verlässt die tradierte, von Surrealismus und Abstraktion geprägte, fixe Formsprache und entwickelt eine neue, freie, ganz eigene Technik, in der er die grundierte Leinwand flach auf dem Boden liegend mit Kleister versieht und die Farbe mit Rakel und Pinsel in kraftvollen Schwüngen in den noch feuchten Kleister arbeitet. Diese Technik ermöglicht ihm ein rasantes Arbeiten und damit das augenblickliche Festhalten eines Bildmoments.

 

Die ausgehenden 1950er Jahre markieren einen ersten Höhepunkt in dieser Technik, mit auf die ganze Bildfläche ausgebreiteten, nahezu monochromen Kompositionen. Will Grohmann beschreibt dies so: „In den Jahren 1954 bis 1959 verstärkt sich von Bild zu Bild der Eindruck des Unaufhaltsamen, die Abläufe der meinst monochromen Bahnen und Strudel verknoten sich und befreien sich wieder. Es gibt sich aufbäumende Wellen, die beinahe so isoliert dastehen wie die der japanischen Holzschnittmeister, und daneben Stauungen, die Wirbel erzeugen oder Unterbrechungen des Rhythmus; es gibt Mitte 1956 vertikal verlaufende, sich verjüngende Gebilde, die Gletschern nicht unähnlich sind. Die Gefahr des Ornaments wird nie akut, auch die zentral verlaufenden Katarakte bleiben ohne Beziehung zu Wiederholungen. Die Jahre von 1957 an sind entscheidend in Oeuvre des Malers.“

 

In Stördö 8.11.1957 beeindruckt die berstende Bewegung der diagonal ausgeführten Pinselschwünge, die über Kreuz verschränkt bis in die Ecken verlaufen. Der Rhythmus von dunklen und hellen Partien negiert eine Räumlichkeit und lässt doch Partien von Tiefe entstehen. Das äußerste sparsam eingesetzte Braunrot wirkt wie laviert, es akzentuiert, ohne dass es inhaltlich oder kompositorisch zu erklären ist. Die große Bedeutung, die Stördö 8.11.1957 im Œvre von Karl Otto Götz einnimmt, reflektiert nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gemälde 1958 bei der Biennale ausgestellt war.